Die Therapie: Genuss trotz Verzicht
Karenzkost – Meiden des allergenen Auslösers
Wurden ein oder mehrere Allergieauslöser identifiziert, besteht die einzig wirksame Therapie im Weglassen all der Lebensmittel, die diesen Auslöser enthalten (die Karenz). Diese Karenzkost kann je nach Auslöser auf ein einzelnes Lebensmittel begrenzt (Apfelallergie) sein oder eine ganze Lebensmittelgruppe (Milch- und Milchprodukte) betreffen.
Um eine Karenzkost gesund und praktikabel zu gestalten, ist eine individuelle therapeutische Ernährungsberatung durch eine spezialisierte Ernährungsfachkraft erforderlich. Die Ernährungstherapie des Lebensmittelallergikers basiert nicht auf Pauschaldiäten. Stattdessen wird für jeden Patienten ein individueller Kostplan zusammengestellt, der die Allergieauslöser, Verzehrsgewohnheiten, die Nahrungszusammensetzung und den gesundheitlichen Status des Betroffenen berücksichtigt.
Die wesentlichen Inhalte einer allergologischen Ernährungstherapie sind:
- Informationen zu einer ausgewogene Ernährung trotz Allergien
- Hinweise für eine gezielt durchzuführende Karenz
- Tipps für entsprechende Lebensmittelalternativen
- Hinweise auf versteckte Auslöser in verarbeiteten Lebensmitteln und Speisen
- Auswahl individueller allergenfreier Lebensmittel
- Informationen über den Allergieauslöser (Einwirkung von Hitze)
Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten für diese ernährungstherapeutische Beratung, wenn eine ärztliche Zuweisung vorliegt. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Arzt und Ihrer Krankenkasse. Die Therapie einer Lebensmittelallergie, speziell im Kindesalter, muss nicht aus einem lebenslangen Verzicht bestehen. Allergien gegen Kuhmilch und Hühnerei sind beispielsweise in 50 bis 80 Prozent der Fälle bis zum Schulalter nicht mehr nachweisbar. Experten empfehlen aus diesem Grund, nach ein bis zwei Jahren zu überprüfen, ob die Allergie noch besteht. Hierzu muss der Betroffene das vorher gemiedene Lebensmittel bewusst – und immer ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht – verzehren.
Hyposensibilisierung
Bei der Hyposensibilisierung wird der Allergieauslöser kontrolliert – zunächst in sehr kleinen und im weiteren Verlauf in zunehmend größeren Dosen – zugeführt. Dabei soll eine Toleranz gegen den Allergieauslöser entwickelt werden. Von guten Erfolgen mit dieser Methode wird bei der Pollenallergie und teilweise auch bei Insektengift- und Schimmelpilzallergien berichtet.
Eine Hyposensibilisierungsbehandlung kann in etwa der Hälfte der pollenassoziierten Lebensmittelallergien auch zu einer Verbesserung der durch die Nahrungsmittel ausgelösten Symptome führen, wie das Oral allergy syndrome (OAS), rhinitische oder asthmatische Beschwerden. Für die Therapie reiner Lebensmittelallergien ist die Methode zurzeit jedoch noch nicht einsetzbar; sie wird aber in klinischen Studien erforscht.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie der Symptome einer Lebensmittelallergie unterscheidet sich nicht von der „gängigen“ Allergietherapie mit Antihistaminika, Cromoglicinsäure und/oder Kortison.
Lebensmittelallergiker, bei denen das Risiko einer anaphylaktischen Reaktion lebensbedrohlich besteht, müssen mit Notfallmedikamenten ausgestattet sein. Ein Notfall-Set besteht aus einem Adrenalin-Pen, einem flüssigen Antihistaminikum und einem flüssigen Kortison-Präparat. Je nach Symptomatik muss auch ein schnell bronchienerweiterndes Spray (Beta-2-Mimetikum) verfügbar sein. Die Handhabung des Notfall-Sets muss mit dem Patienten und den Angehörigen geübt werden.
