Navigation und Service

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Link zur Startseite)


Mögliche Allergene in Kosmetika und Pflegeprodukten

Duftstoffe, Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Grund- und Hilfsstoffe: Viele Bestandteile von Kosmetik- und Pflegeprodukten können Unverträglichkeiten oder Allergien auslösen.

Duftstoffe

Von rund 2500 bis 3000 existierenden Duftstoffen wird ein Teil einzeln oder in Mischungen in Kosmetikprodukten eingesetzt. Doch so gut diese dann auch riechen mögen: Viele Düfte, die über die Haut oder die Atemwege in den Körper gelangen, haben ein hohes allergenes Potenzial. Zwei Duftstoff-Mixe, die für Allergie-Tests verwendet werden, gehören seit Jahren zu den Kontaktstoffen, die in Deutschland die meisten Allergien auslösen; über eine Million Bundesbürger reagieren auf Duftstoffe allergisch. Das Bewusstsein für diese Problematik wächst. Mittlerweile sind in der EU 26 Duftstoffe ab einer bestimmten Konzentration in Kosmetikprodukten deklarationspflichtig – der Hinweis "Parfum, "Parfüm" oder "Aroma" auf einer Verpackung reicht in diesen Fällen nicht.

Als stärkste Allergene gelten:

  • Evernia Prunastri Extract (Eichenmoos)
  • Isoeugenol
  • Cinnamal (Zimtaldehyd)
  • Hydroxycitronellal
  • Eugenol
  • Perubalsam

 Ebenfalls wissenschaftlich belegt ist die allergene Wirkung von: 

  • Amyl Cinnamal (alpha-Amylzimtaldehyd)
  • Amyl Cinnamylalcohol (Amylzimtalkohol) (nicht Bestandteil der INCI-Liste)
  • Benzyl Alcohol (Benzylalkohol)
  • Benzyl Salicylate (Benzylsalicylat)
  • Cinnamyl Alcohol (Zimtalkohol)
  • Citral (Citral)
  • Citronellol (Citronellol)
  • Coumarin (Cumarin)
  • Evernia Furfuracea Extrakt (Baummoos) (nicht Bestandteil der INCI-Liste)
  • Farnesol (Farnesol)
  • Geraniol (Geraniol)
  • Hexyl Cinnamal (alpha-Hexylzimtaldehyd) (nicht Bestandteil der INCI-Liste)
  • Hydroxyisohexyl 3-Cyclohexene Carboxaldehyde (Hydroxy-methylpentyl-cyclohexencarboxaldehyd; Produktname "Lyral") (nicht Bestandteil der INCI-Liste) 

Grund- und Hilfsstoffe

  • Kolophonium (Geigenharz) wird aus dem Baumharz von kieferartigen Nadelholzgewächsen (Koniferen) gewonnen und fällt bei der Zellstoff-Herstellung in großen Mengen an. Kolophonium ist ein komplexes Gemisch verschiedener Substanzen, dessen Hauptbestandteile unterschiedliche Harzsäuren sind. Kolophonium gilt als häufiges Allergen, das in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen hat. Allergietests der IVDK-Kliniken zufolge weisen fast fünf Prozent der Patienten eine Sensibilisierung für Kolophonium auf.

  • Wollwachs (auch Lanolin genannt) wird in Kosmetika als Fettstoff und Emulgator verwendet. Es stammt aus den Talgdrüsen von Schafen, wird aus Schafwolle hergestellt und kann in seiner Zusammensetzung variieren. Sensibilisierend wirken am ehesten Wollwachsalkohole, die aus dem Wollwachs gewonnen werden. Gefährdet sind allerdings vor allem Menschen, deren Haut bereits geschädigt ist oder Ekzeme aufweist. Bei intakter, gesunder Haut ist der Erwerb einer Sensibilisierung durch Wollwachsalkohole in Kosmetika und Pflegemitteln eher selten.

Konservierungsstoffe

Die wenigsten Schönheits- und Pflegeprodukte kommen ohne Konservierungsstoffe aus – verlängern sie doch deren Haltbarkeit, indem sie vor der Zersetzung durch Bakterien und Schimmelpilzen schützen. In Bezug auf Allergien sind in Kosmetik vor allem folgende Konservierungsstoffe relevant:

  • Methyldibromoglutaronnitril (MDBGN) steht auf der „Allergen-Hitliste“ des IVDK auf Platz sieben – fast fünf Prozent aller Patienten, die im Jahr 2006 auf eine Kontaktallergie getestet worden waren, wiesen für diesen Stoff eine Sensibilisierung auf. Allerdings ist MDBGN für die Anwendung in Kosmetika nicht mehr zugelassen. Als Sensibilisierungsquelle waren vor allem Leave-on-Produkte sowie feuchtes Toilettenpapier beschrieben worden, aber auch Rinse-off-Produkte wie Shampoo und Flüssigseifen.

  • Das Gemisch MCI/MI (Methylchlorisothiazolinon und Methylisothiazolinon) gehört zu den am meisten eingesetzten und allergologisch mit am umfangsreichsten untersuchten Konservierungsstoffen überhaupt. Doch seit zu Beginn der 80er Jahre die ersten Fälle von Kontaktsensibilisierungen gegen MCI/MI bekannt wurden, ist sein Einsatz in Kosmetika in Deutschland stark zurückgegangen. Sensibilisierungen erfolgen vor allem bei Leave-on-Produkten. Alternativen zum MCI/MI-Gemisch sind zum Beispiel die Verwendung von Methylisothiazolinon allein, das deutlich weniger sensibilisierend wirkt oder die Kombination mit Benzisothiazolinon.

  • Formaldehyd ist ein wirksames und günstiges Konservierungs- und Desinfektionsmittel, das über die Haut aufgenommen und bei längerem Kontakt allergisierend wirken kann. Kosmetika dürfen derzeit bis 0,2 Prozent Formaldehyd enthalten, ein Gehalt über 0,05 Prozent freiem Formaldehyd muss mit dem Hinweis „enthält Formaldehyd" gekennzeichnet sein. Allerdings ist der Einsatz von freiem Formaldehyd als Konservierungsstoff in Kosmetika stark rückläufig: Stattdessen werden Substanzen verwendet, die Formaldehyd abspalten (Formaldehyd-Libratoren).

  • Unter Parabenen versteht man verschiedene antimikrobielle Konservierungsstoffe, die in Kombination sehr effektiv wirken. Beispiele sind Butylparaben, Ethylparaben, Methylparaben und Propylparaben, die bei Allergentests als so genannter Paraben-Mix zum Einsatz kommen. Nach Einschätzung von Experten ist das Risiko einer Sensibilisierung gering im Vergleich zu dem Nutzen durch diese Konservierungsstoffe. Parabene haben eine antimikrobielle und pilzschädliche Wirkung.

  • Thiomersal, ein organischer Konservierungsstoff, ist eine quecksilberhaltige Verbindung, die in Schmink- und Abschminkmitteln für die Augen eingesetzt wird. In Allergietests reagieren vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer leichten Reaktion auf Thiomersal, ohne jedoch klinische Symptome zu haben. Solche „stummen“ Sensibilisierungen sind nach Angaben des IVDK sehr wahrscheinlich durch Impfstoffe entstanden, die Thiomersal als Konservierungsmittel enthalten. Kosmetische Produkte, die Thiomersal enthalten, müssen entsprechend gekennzeichnet sein („enthält Äthylquecksilberthiosalicylat“).

  • Isothiazolinon: Schützt Duschmitteln und Shampoos vor Zersetzung durch Bakterien und Pilze.

Farbstoffe

  • Paraphenylendiamin (PPD) gehört zu der Gruppe der so genannten „Parastoffe“ (para-substituierte Aminoaryl-Verbindungen) und wird in Färbemitteln eingesetzt, zum Beispiel zur Farbintensivierung bei Haarfarben. In chemischen Haarfärbemitteln ist PPD eher unkritisch, da es beim Mischen mit anderen Molekülen oxidiert (chemische Reaktion): Vollständig oxidiertes PPD ist kaum noch reaktiv und wirkt in der Regel nicht mehr sensibilisierend. Allerdings läuft die Oxidation nicht immer vollständig ab, so dass aus frisch gefärbtem Haar noch gewisse Mengen an PPD an die Haut gelangen und als Allergen wirken können. Problematisch wird PPD vor allem dann, wenn es in natürlichen Haarfarben eingesetzt wird, die nicht aus zwei Komponenten bestehen: Hier findet vor dem Auftragen keine Oxidation statt – und der Stoff kommt hoch reaktiv mit dem Körper in Kontakt. Gemäß europäischer Regelung zugelassen ist PPD jedoch lediglich als Entwickler in Oxidationshaarfarben in Konzentrationen bis zu 6 Prozent.

    PPD-Sensibilisierte reagieren über eine Kreuzreaktivität häufig auch auf Diazo-Farbstoffe (beispielsweise Dispers Orange 3) allergisch. So kann eine durch Haarfärbemittel ausgelöste Allergie zu einer Allergie gegen Farbstoffe in Textilien führen.

Weitere Informationen auf den Seiten anderer Anbieter

Weitere Artikel zum Thema

Bewertungen des BfR zu Inhaltsstoffen in Kosmetik- und Pflegeprodukten


Diese Seite:

© BVL - 2012